08.06.2010 | Kommentar

Weg frei für flexibles Rentenalter!

Am vergangenen Donnerstag hat der Stadtrat beschlossen, das Rentenalter für Angestellte der Stadtverwaltung von 63 auf 64 für Frauen und auf 65 für Männer zu erhöhen. Er hat damit eine Spezialregelung abgeschafft und das Rentenalter dem allgemein üblichen Niveau angeglichen.

Auch ich habe dieser neuen Regelung zugestimmt. Dabei muss ich aber zugeben, dass das Vorgehen des Stadtrates eher einer Nacht-und-Nebel-Aktion geglichen hat. Der entsprechende Antrag der BDP/CVP-Fraktion lag erst an der Sitzung selbst auf dem Tisch.

Ich fand es einfach an der Zeit, die starre und teure Altersguillotine in der Stadtverwaltung abzuschaffen. Stattdessen erhoffe ich mir, dass die Sozialpartner nun aufgrund unseres Beschlusses auf flexible Lösungen hinarbeiten.

 

Die flexible Pensionierung ist eigentlich eine uralte Forderung der Gewerkschaften, die aber noch kaum verwirklicht worden ist: Menschen, die über Jahrzehnte körperlich hart gearbeitet haben, sollen sich früher pensionieren lassen können. Durch unseren Beschluss im Stadtrat werden Gelder frei, die auch Menschen aus den unteren Lohnklassen eine solche Frühpensionierung ermöglichen. Andererseits gibt es Menschen, die mit 65 noch leidenschaftlich und kompetent ihren Arbeitsplatz ausfüllen. Sie sollen über das offizielle Pensionsalter hinaus noch zwei bis drei Jahre weiterarbeiten können. Andere wiederum möchten nicht von einem Tag auf den anderen von 100 auf 0 herunterfahren, sondern ihr Arbeitspensum nach und nach reduzieren. Auch dies soll mit einer Flexibilisierung des Rentenalters möglich sein.

 

Ich freue mich auf die Vorschläge der Sozialpartner in dieser Richtung und bin überzeugt, dass für die Pensionierung gezielte und individuell angepasste Lösungen mehr bringen als Giesskanne bei 63.

 

Barbara Streit-Stettler, Stadträtin