Für fortschrittliche Schulen in der Stadt Bern

Die SVP und FDP wollen für den Übertritt in die Sekundarschule flächendeckend das Übertrittsmodell „Manuel“ einführen. Wenn wir diesem Volksvorschlag zustimmen, zementieren wir „Manuel“ über Jahre hinaus. In den nächsten fünf oder 10 Jahren wird es nicht mehr möglich sein, das Übertrittsmodell in die Sekundarschule zu wechseln. Man wird jegliche Diskussion darüber abwürgen und sagen: „Das war ein Volksentscheid. Das können wir jetzt nicht schon wieder ändern.“
Gerade zum heutigen Zeitpunkt wäre das aber fatal. Bekanntlich haben wir mit dem neuen Schuljahr 2010/11 die Integration eingeführt: Wir haben einen grossen Teil der Kleinklassen aufgelöst und diese Kinder in die Regelklassen integriert. Im Moment hat das vor allem Auswirkungen auf die Unterstufe. In der Oberstufe hat sich noch nicht so viel geändert, weil ja das Übertrittsmodell ja immer noch das gleiche ist. Immer noch werden in den meisten Schulkreisen die Kinder nach dem Modell „Manuel“ in Sekundarschulklassen und Realklassen eingeteilt. Aus unserer Sicht kann man aber hier mit der Integration nicht stehen bleiben. Wer A sagt muss auch B sagen. Wir wollen die Integration auch in der Oberstufe ganz umsetzen. Dann müssen wir aber ganz neu diskutieren, welches Übertrittsmodell sich für die Integration eignet und welches nicht. Mit dem Volksvorschlag „Starke Volksschule“ wäre dies nicht mehr möglich.
Das Modell „Manuel“ war mal, als es eingeführt wurde, ein sehr innovatives Modell. Es war revolutionär, dass Kinder sowohl auf Real- als auch auf Sekundarstufe Hauptfächer besuchen konnten, dass in diesem Sinn Durchlässigkeit zwischen Real und Sek angestrebt wurde. Unterdessen ist aber die Entwicklung im Bildungssystem weitergegangen. Heute arbeiten wir an der Integration. In diesem Zusammenhang muss auch geprüft werden, ob das Modell Manuel dieser neuen Stossrichtung entgegenkommt. Dabei müssen wir zum Beispiel bedenken, dass die Sekundarklassen im Modell Manuel die besten Schülerinnen und Schüler abschöpfen und das ganze übrige Spektrum, das sehr heterogen und sehr komplex ist, einfach der Real überlassen wird.
Unser Fazit ist also: Wir möchten nicht schon jetzt, bevor wir die Integration überhaupt ganz erprobt und umgesetzt haben, uns auf ein Übertrittsmodell festlegen. Hier müssen noch Diskussionen stattfinden, was hier im Sinne der Integration die beste Lösung ist. Martin Trachsel und ich bitten Sie also, den Volksvorschlag der SVP und FDP gegen das Schulreglement an der Urne abzulehnen.
Barbara Streit-Stettler, Stadträtin




