Du bist schon etwas mehr als 100 Tage im Amt als Stadtrat. Was ist deine erste Bilanz?
Ich finde es sehr spannend, mehr Einblicke in die politischen Prozesse unserer direkten Demokratie haben zu dürfen. Vieles ist neu und muss ich erst einmal aufsaugen, mir eine Meinung bilden und die Abläufe kennenlernen. Dazu ist mein Amt als stellvertretendes Mitglied in der Kommission Soziales, Bildung und Kultur wertvoll, da man hier als vorberatendes Gremium mehr zu der Ausgangslage und Entstehung der Geschäfte erfährt, die im Anschluss im Stadtrat behandelt werden.
Was war deine Motivation, Bettina Jans im Stadtrat abzulösen?
Ich habe mich schon, seit ich EVP-Mitglied bin, an der Mitwirkung in der städtischen Politik interessiert und habe besonders die baulichen Projekte mitverfolgt. Ich übernehme gerne Verantwortung und war über zehn Jahre bei Teo Jakob in die Führung des Unternehmens involviert. Die neue Situation als teilzeitlicher Projektleiter und Vater von älteren Kindern hat mir nun zeitlich die Möglichkeit gegeben, mich im Stadtrat zu engagieren.
Welche Debatte im Stadtrat ist dir besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben? Warum?
Wir durften als Fraktion einen Erfolg feiern, als nach langer Diskussion unser Vorstoss für eine Zonenplanänderung im Monbijou-Park, die ein gastronomisches Angebot im neuen Pavillon ermöglicht, angenommen wurde. Die linke Ratsmehrheit hatte sich anfänglich aus ideologischen Gründen gegen eine «Kommerzialisierung» ausgesprochen.
Für welche stadtpolitischen Themen schlägt dein Herz besonders?
Mich interessiert schon seit jeher das Thema bezahlbarer Wohnraum in der Stadt – im Speziellen für Familien, aber auch generell. In den letzten zehn Jahren hat sich schon einiges getan, aber das Thema bleibt sicher im Brennpunkt. Mein erster Vorstoss steht aktuell noch aus.
Die Grossratswahlen sind für die EVP Stadt Bern eher enttäuschend verlaufen.
In zweieinhalb Jahren sind Stadtratswahlen. Wie können wir bis dahin die EVP stärken?
Ich glaube, wir müssen uns vermehrt gegen die Polarisierung stellen und den Wert einer konstruktiven Mittepolitik besser aufzeigen. Zudem müssen wir versuchen, die Basis der jüngeren EVP-Wählenden aktiver einzubinden und zum Wählen zu bewegen.
Interview: Barbara Streit-Stettler
Simon Gyger
Simon Gyger (49) ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen im Alter von 13 und 10 Jahren. Neben seiner Arbeit als Innenarchitekt bei Teo Jakob in der Altstadt wirkt er ehrenamtlich im Aufbau des Stadtklosters Frieden in der Friedenskirche mit, wo er auch mit seiner Familie wohnt. In der EVP Stadt Bern ist er seit dem Zuzug im Jahr 2011 Mitglied. Er war bereits von 2013 bis 2017 im Vorstand der EVP Stadt Bern und kandidierte bisher je 4-mal für den Stadtrat und den Grossen Rat. Anfang Januar 2026 rutschte er für Bettina Jans-Troxler in den Stadtrat nach.