Enttäuschender Wahlausgang

Enttäuschender Wahlausgang

Nach einem engagierten Wahlkampf hat sich die Hoffnung auf die Rückeroberung des Stadtberner Grossratssitzes für die EVP zerschlagen. Hier eine erste Analyse.

Gründe für ds Resultat: Die EVP hat gegenüber 2022 15% an Wählendenstimmen eingebüsst (16’328 gegenüber 19’159 Stimmen), währenddem die Wahlbeteiligung von 37,2 auf 42,3% zugenommen hat. Zudem hat auch die Listenverbindungspartnerin GLP deutlich Stimmen verloren, so dass sie zwar ihre beiden Sitze halten konnte, der dritte Sitz innerhalb der Listenverbindung aber ausser Reichweite blieb.
Die meisten Stimmen auf der EVP-Liste erzielte übrigens nicht jemand von der Spitzengruppe, sondern alt Stadträtin Bettina Jans-Troxler! Danach folgen der Reihe nach alt Stadtrat Matthias Stürmer, Stadträtin Debora Alder-Gasser, Stefan Etter, alt Grossrätin Barbara Streit-Stettler und Stadtrat Simon Gyger (vgl. die Resultateliste). Anlässlich der Stadtratssitzungen wird die EVP Stadt Bern mit den zwei erwähnten Stadtratsmitgliedern weiterhin im Rathaus präsent sein.

Die Situation im Kanton

Besonders bitter ist das Wahlergebnis für die kantonale EVP insgesamt: Obwohl ihr Wählendenanteil nur um 0,5% abnahm (von 5,6 auf 5,1%), hat sie neu nur noch fünf statt wie bisher neun Grossratssitze. Zum Vergleich: Die FDP verlor 1% Wählendendenanteil, konnte mit 10,7% aber ihre 18 Sitze halten. Die von 5,1% gewählte EVP bekommt damit nur 3,125% der 160 Sitze – rein rechnerisch (bei einem einzigen Wahlkreis und ohne Listenverbindungen) käme die EVP auf acht Sitze. Eine Liste der Staatskanzlei zeigt die teils unausgewogene Verteilung der Stimmenanteile und der Sitze.
Einige spezielle Details: Mit 238'530 Stimmen wurde die EVP im Kanton insgesamt praktisch gleich gut gewählt wie 2022 (-0,36%), die Stimmbeteiligung stieg jedoch um 2,4%. – Von der EVP-Fraktion wurden alle fünf Frauen wiedergewählt und alle vier Männer abgewählt. – Im Oberland hätten nur 13 Personen mehr die EVP-Liste wählen müssen, dann hätte nicht die EVP, sondern die Mitte den Sitz verloren. – In den Wahlkreisen Berner Jura und Biel–Seeland konnte die EVP ihren Wählendenanteil steigern, verlor aber wegen der Situation innerhalb der Listenverbindung je einen Sitz – ohne Listenverbindung wären die zwei Sitze beim aktuellen Wahlsystem aber auch nicht zu halten gewesen.